Unser Saat- und Pflanzgut

Hauptsache bunt?

Die in Baumarkt- und Discounter-Samenmischungen enthaltenen Pflanzen sind für unsere heimischen Insektenarten als Nahrungsquelle oft nur bedingt oder gar nicht geeignet. Häufig sind dort Arten enthalten, die nicht natürlicherweise in dem Naturraum wachsen würden. Allerdings sind viele unserer Insekten auf genau diese Pflanzen angewiesen und haben sich über lange Zeit evolutionär an bestimmte Pflanzen angepasst. Ein Beispiel dafür ist die Glockenblumen-Scherenbiene, die sich ausschließlich von Nektar und Pollen von Glockenblumen ernährt. Gehen die Glockenblumen zurück so gefährdet das auch die Biene.

Eine weitere Schwierigkeit von nicht zertifizierten Saatgutmischungen ist, dass diese häufig nur ein-/zweijährige Arten enthalten. Das bedeutet, die angelegte Blühfläche bleibt nur für kurze Zeit blütenreich und entwickelt sich innerhalb weniger Jahre wieder zu einer wenig artenreichen Fläche zurück.

Deswegen arbeiten wir bis auf wenige Ausnahmen mit individuell zusammengestelltem und zertifiziertem gebietseigenen Saat- und Pflanzgut. Für unsere Projektpartner:innen wird dieses zu 100 % über das Projekt finanziert. Die Saatgutmischungen werden individuell und standortspezifisch angefertigt und enthalten zwischen 20 bis 60 Arten je Fläche. Hierzu zählen viele Pflanzenarten, an denen eine hohe Anzahl assoziierter Insektenarten dokumentiert ist, z. B. Acker-Witwenblume (15 Arten), Gewöhnlicher Hornklee (60 Arten) oder Echtes Labkraut (50 Arten)1. Potenziell problematische Wildkräuter wie Acker-Kratzdistel oder Geruchlose Kamille werden in den Mischungen nicht eingesetzt.

Foto: Sebastian Bischoff
Foto: Hannes Hoffmann

Privateigentümer:innen

Sie möchten auf ihrem Privatgrundstück selbst eine artenreiche Blühfläche anlegen und sind auf der Suche nach dem richtigen Saatgut? Sie erhalten zertifizierte Saatgutmischungen mit gebietsheimischem Saatgut beispielsweise bei Rieger-Hofmann oder der Gärtnerei Wild-Land. Im Projektgebiet Thüringen haben wir eine Kooperation mit den beiden Gartenmärkten Boock in Jena und Göpfert in Hainspitz. Dort gibt es verschiedene zertifizierte Saatgutmischungen sowie regionale Wildstauden, die für den Saale-Holzland-Kreis und die umliegenden Gebiete geeignet sind. Dabei bitte beachten, dass die Mischungen nur im Siedlungsraum ausgebracht werden dürfen. Eine Ausbringung in der freien Natur muss zuvor mit der unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden.

Samentütchen

Insektenschutz to go: Auf unseren Veranstaltungen verteilen wir kostenlose Samentütchen. Es handelt sich um den „Schmetterlings- und Wildbienensaum“ der Rieger-Hofmann GmbH, eine mehrjährige Mischung aus ausschließlich heimischen Arten (wie Malven, Barbarakraut, Wirbeldost, Wiesen-Salbei und einzelnen schnell keimenden Arten wie Klatsch- Mohn). Die vollständige Artenliste kann hier eingesehen werden. Achtung: Eine Ausbringung in der freien Landschaft (außerhalb des eigenen Gartens oder Grundstücks) ist nur in Abstimmung mit der jeweiligen unteren Naturschutzbehörde zulässig!

Foto: Hannes Hoffmann

Mehr heimisches Saatgut!

Die heimischen wildlebenden Insekten benötigen als Nahrungs- und Lebensgrundlage Pflanzen, die typisch für die Region sind. Für Maßnahmen in der freien Landschaft ist darüber hinaus die Verwendung von gebietsheimischem Saatgut erforderlich. Dessen Produktion durch geeignete Betriebe soll im Rahmen von INSEKTA unterstützt werden, um die Verfügbarkeit des Saatguts langfristig zu verbessern. 


1 Padovani, R.; Ward, L.; Smith, R. M.; Pocock, M.J.O.; Roy, D. B. (2020): Insect species richness for each plant species and insect-plant interactions from the Database of Insects and their Food Plants [DBIF]version 2 NERC Environmental Information Data Centre. https://doi.org/10.5285/33a825f3-27cb-4b39-b59c-0f8182e8e2e4